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Sonnenschein liest Ulysses

Montag, 16. Jun 2025

19:00 Uhr | Einlass ab 18:30 Uhr
EINFÜHRUNG & LESUNG IN DER WOHNHALLE
inkl. NACHHALL mit hausgemachtem vegetarischem Buffet und Wein.
Ulrich Sonnenschein (hr2 kultur)
JAMES JOYCE »Ulysses«

Einführung und Lesung - natürlich am Bloomsday 2025

»Ich habe so viele Rätsel in meinen Text gepackt, um die Professoren für 300 Jahre zu beschäftigen«
James Joyce

Der verrückte Ire und sein »Ulysses«

Wahrscheinlich haben sie den Titel schon das ein oder andere Mal gehört. Und gleich dazu den großen Satz, »ja, das ist ein wichtiges Buch, aber lesen kann man es nicht«. Eines somit vorweg: das stimmt und es stimmt nicht. Ulrich Sonnenschein hat fünfmal angefangen dieses Großwerk europäischer Literatur zu lesen und kam über die ersten 50 Seiten nicht hinaus. Bis er einfach mittendrin begann und sich das Rätsel von innen heraus erschloss. Heute Abend wird er Ihnen daraus vorlesen und dazu Wege aufzeigen, die Ihnen helfen, dieses Buch weiter zu lesen, oder etwas mehr zu verstehen, wenn Sie es bereits gelesen haben. Aber der Abend wird Ihnen auch nützen, mitzureden, wenn Sie es gar nicht mehr lesen wollen. In jedem Fall ist der Ulysses nämlich auch eines: ein großer Witz des Weltwissens.
»Ein Genie macht keine Fehler. Seine Irrtümer sind Tore zu neuen Entdeckungen«

Sonnenschein liest Ulysses
Am 2. Februar 1922, pünktlich zum 40. Geburtstag von James Joyce, erschien sein bedeutendster Roman »Ulysses«, der seinen Helden Leopold Bloom, aufgrund der Reisen des Odysseus, einen Tag lang durch Dublin wandern lässt. Aber mit dieser Parallele ist es noch lange nicht getan. Irische Geschichte, europäische Literatur und die Entwicklung der menschlichen Sprache bilden weitere Stränge, die der Roman nutzt, um einer einfachen Weltsicht zuwider zu laufen. In seiner Vielstimmigkeit und der überzeitlichen Struktur innerhalb eines Tages, ist dieser Roman zum Beispiel literarischer Konstruktion jenseits des Erzählens geworden. Er ist aber nicht nur das, sondern vieles zugleich: die kleine Geschichte eines Annoncen-Akquisiteurs Leopold Bloom, dessen Frau am 16. Juni 1904 fremd geht, eine weitere Fabel des ewig wandernden Juden, eine philosophische Auseinandersetzung mit Wahrnehmung und deren sprachlicher Repräsentation und nicht zuletzt die Schöpfung eines Alltagshelden mit ähnlich mythischer Kraft wie Odysseus. Und dass der Roman wegen expliziter sexueller Darstellungen verboten wurde, ist ein anderer Treppenwitz der Geschichte.
Foto © Malwina Schreyvogel

Ulrich Sonnenschein (hr2 kultur)
Ulrich Sonnenschein studierte erst Anglistik und dann allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft, immer auf der Suche nach Romanen, die herausragten aus dem Meer der Literatur. Ulysses war so einer, doch als endlich ein Seminar dazu angeboten wurde, hatte er sich bereits selbst hindurch gekämpft. Seine Promotion schrieb er, eine Nummer kleiner als Joyce, über Arno Schmidt. Dafür ging er nach Irland und arbeitete als Lektor an der Universität Limerick. Nur am 16. Juni nicht, denn da musste er einfach in Dublin sein und den Bloomsday miterleben. Seit 1989 ist er Redakteur, Autor und Moderator bei hr2-Kultur. Verschiedene Veröffentlichungen zu Hessen, Jugendkultur und Film und Literatur. Er lebt in Frankfurt.